Sie führt den Hof. Und wahrscheinlich noch einiges mehr.
Frauen leisten einen enormen Teil der Arbeit in der deutschen Landwirtschaft. Offizielle Zahlen zeigen das jedoch nur teilweise.
Ein normaler Morgen
Fünf Uhr morgens. Tiere versorgen, Kinder zur Schule bringen, E-Mails beantworten, Lieferpläne prüfen, Maschinenprobleme lösen – oft ist es auf vielen Höfen in Schleswig-Holstein eine Frau, die all dies gleichzeitig managt.
Frauen führen Buchhaltung, pflegen Kund:innenkontakte, organisieren Logistik und arbeiten auf dem Feld – häufig parallel zu Familienaufgaben. Nicht aus Zwang, sondern weil sie dieses Leben bewusst wählen und den Betrieb aktiv gestalten.

Was die Zahlen zeigen
Rund 35 % der Arbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen, doch nur etwa 11 % der Betriebe werden formal von ihnen geführt (Destatis, 2023).
Viele Frauen werden als „Familienarbeitskräfte" eingetragen, obwohl sie die täglichen Entscheidungen treffen (BMEL, 2023). Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit eher am unteren Ende: In Ländern wie Lettland oder Litauen führen Frauen fast die Hälfte aller Betriebe (Eurostat, 2020).
Mehr als Zahlen
Die BMEL-Studie zeigt: Frauen übernehmen auf Betrieben oft mehrere Aufgaben gleichzeitig – Tierhaltung, Verwaltung, Direktvermarktung und Kundenkommunikation.
Besonders auf Betrieben mit diversifizierten Einkommensquellen wie Hofläden, Agrotourismus oder Bildungsangeboten übernehmen Frauen häufiger die Leitung. Diese Aufgaben erfordern Beziehungsaufbau, Kommunikation und Anpassungsfähigkeit – Fähigkeiten, die viele Frauen seit Jahren selbstverständlich einbringen, oft ohne formale Anerkennung.
Die Frage der Hofnachfolge
Strukturelle Hürden bleiben, besonders bei Eigentum und Hofnachfolge. Betriebe werden oft über die männliche Linie weitergegeben. Frauen übernehmen Verantwortung, wenn sich die Situation ergibt – etwa wenn Geschwister wegziehen oder Partner:innen ausfallen.
Ohne offiziellen Titel ist der Zugang zu Fördermitteln, Krediten und rechtlicher Absicherung erschwert – obwohl die Arbeit weiterhin geleistet wird.
Was das mit uns zu tun hat
Bei Hiesige Höfe fällt auf: Häufig tragen Frauen die Hauptverantwortung – für Produktion, Organisation und Kundenkontakt. Faire Preise sind dabei entscheidend.
Wer über große Handelsketten verkauft, erhält selten eine angemessene Vergütung. Bei uns legen Erzeuger:innen ihren Preis selbst fest und behalten einen fairen Anteil jeder Bestellung. Für Frauen, die den Betrieb weitgehend alleine managen, macht das einen großen Unterschied.
Es bewegt sich etwas – wenn auch langsam
Mehr Frauen studieren Agrar- und Ernährungswissenschaften – 2023 waren fast die Hälfte aller Studierenden weiblich. Organisationen wie der Deutsche Landfrauenverband arbeiten daran, Landwirtschaft als eigenständigen Berufsweg sichtbar zu machen und Frauen zu fördern.
Veränderung braucht Zeit, aber die Verantwortung und Arbeit war schon immer da. Jetzt wird sie langsam auch anerkannt.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Agrarstrukturerhebung 2023
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Thünen-Institut & Universität Göttingen: Frauen.Leben.Landwirtschaft, 2023
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Frauen in der Landwirtschaft, 2023
- Eurostat: Women farm managers in the EU, 2020
- NDR: Zwischen Hof und Hürden – Frauen in der Landwirtschaft, März 2026
- Deutscher LandFrauenverband: Frauen in der Agrarwirtschaft
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